Jenseits von 1984 von Sandro Gaycken (Hrsg.)

Rezension veröffentlicht via kritisch-lesen.de

Ein Sammelband, der jenseits orwell‘scher Assoziationen einen Beitrag zur Versachlichung im Diskurs zu digitaler Überwachung anbietet.

Big Brother is watching us? Öffentliche wie private Akteur*innen sammeln und sammeln Daten. NSA, Bundestrojaner. Cyber, Cyber, Cyber. Und was natürlich nicht fehlen darf: Immer geht es um Sicherheit. Sandro Gaycken nimmt sich als Herausgeber mit seinem Sammelband „Jenseits von 1984. Datenschutz und Überwachung in der fortgeschrittenen Informationsgesellschaft. Eine Versachlichung“ dem Diskurs der digitalen Überwachung an. Die 2013 erschienene Sammlung bündelt Perspektiven verschiedener fachlicher und wissenschaftlicher Disziplinen. Worin die Stärke der Veröffentlichung liegt? In ihrer Interdisziplinarität. In Anbetracht der aufmerksamkeitsgesteuerten medialen Mechanismen ist die von Gaycken ausgerufene Prämisse der Versachlichung in jedem Fall eine gute Richtung. Verschiedene Lager, so sein Argument, führten die Debatte um digitale Überwachung stark emotionalisiert. Dies erschwere Objektivität – notwendig für wegweisende Entscheidungen. Selbstsüchtig würde sich hier Metaphern und Narrativen bedient, die einen progressiven gesellschaftlichen Austausch verhinderten.

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Per Livestream über das Mittelmeer

Einreichung bei „360 Grad. Das studentische Journal für Politik und Gesellschaft“ Call for Papers zum Thema „Trauma“

Essay

Allen Unkenrufen zunehmender gefühlter Unsicherheit zum Trotz leben wir als Teil der westlichen Industriegesellschaft in einer sicheren und wohlbehüteten Umwelt. Nicht zuletzt die Migrationsbewegungen verdeutlichen, dass unsere Realität von vergleichsweise geringer psychischer und physischer Verletzbarkeit geprägt ist. Die Berichterstattung von den Kriegsschauplätzen und Elendsorten dieser Welt lässt nur erahnen, welcher Brutalität andere Menschen ausgesetzt sind. Krieg, Elend und die ständige Bedrohung durch Armut gestalten desaströse Lebensqualitäten mit weitreichenden Folgen für die emotionale Unversehrtheit. Tiefgreifende Verletzungen der Gefühlswelt sind sicherlich nur durch eine gnadenlose Anpassungsfähigkeit zu ertragen. Spurlos gehen diese Umstände an niemandem vorbei, sie hinterlassen innere Wunden.

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Land of the Free?

Hintergrundartikel im Rahmen der Politik&Gesellschaft Ausgabe 17 – 12/2016

Institutioneller Rassismus in Amerika

Wir leben nicht in Amerika. Alles, was wir von derart nah empfundenen, doch in Wirklichkeit weit entfernten Lebenswelten wissen, erfahren wir in der Regel nicht durch tatsächliche, sondern durch allein medial vermittelte Sinneseindrücke. Hierzulande wechselt die inhaltliche Berichterstattung zwischen Erzählungen über amerikanische Polizisten, die wieder einmal einen unbewaffneten, schwarzen Teenager erschossen haben, mit Bildern von Schwarzen, die im Rahmen von durch Black Lives Matter organisierten Demonstrationen den gewalttätigen Ausnahmezustand suchen. Auch wenn die ungerechtfertigten Tötungen unbewaffneter Menschen durch die Polizei die Gemüter nachvollziehbar erhitzen – den Fokus allein auf die „Polizeigewalt“ zu richten, rückt die zugrundeliegende Dynamik des innergesellschaftlichen Konfliktes in den Hintergrund. Denn knapp 150 Jahre nach dem Ende der Sklaverei sind Rassismus und strukturelle Benachteiligung von Schwarzen weiterhin tief in der DNA der amerikanischen Institutionen und im gesellschaftlichen Selbstverständnis verankert. Eine faktische Einordnung.

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Der Kameramörder von Thomas Glavinic

Rezension veröffentlicht via kritisch-lesen.de

Eine spannende Kriminalgeschichte, die schonungslos die Skrupellosigkeit des Fernsehens und den paradoxen Voyeurismus seiner Zuschauer thematisiert.

Österreich. Zwei befreundete Paare verbringen die Osterfeiertage auf einem Hof in der idyllischen Steiermark. In „Der Kameramörder“ von Thomas Glavinic aus dem Jahr 2001 wird das geplante Vorhaben der Zerstreuung gleich zu Beginn von einem grausamen Mord durchkreuzt, der sich ganz in der Nähe ereignet hat. Über das Fernsehen erfahren die vier Protagonist_innen, dass ein Mann gesucht wird, der sich auf perfide Art und Weise des Mordes an zwei Kindern schuldig gemacht haben soll. Um die schonungslose Schilderung der Tat noch zuzuspitzen, hat der Täter das Geschehen mit einer Videokamera aufgezeichnet. Die mediale Berichterstattung, die Ausstrahlung des Videos sowie die Fahndung nach dem Täter bestimmen den weiteren Aufenthalt der Urlauber_innen. Einer von ihnen berichtet aus der Ich-Perspektive.

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Dokumentarfilm: Seefeuer

Veröffentlicht via Politik&Gesellschaft


Dokumentarfilm „Seefeuer“ (von Gianfranco Rosi)

Aktuell täglich im Abaton Hamburg Allende-Platz 3, 20146 Hamburg zu sehen

Der Dokumentarfilm „Seefeuer“ von Gianfranco Rosi ist kein Dokumentarfilm im klassischen Sinne. Die Kamera erzählt auf einer Ebene die Erlebnisse des kleinen italienische Jungens Samuele auf der Insel Lampedusa. Dem Zuschauer werden so Eindrücke seines Alltags auf der Insel geboten, die im Zusammenhang mit den Migrationsbewegungen auf der zentralen Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien schon seit langem im Fokus steht. „Dokumentarfilm: Seefeuer“ weiterlesen

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Hups, verpasst wegen Fußball (Teil 2)

Veröffentlicht via Politik&Gesellschaft


Aus der Reihe: Hups, verpasst wegen Fußball. (Teil 2: Reform des BND-Gesetzes)

„Alles, was durch Snowden und Untersuchungsausschuss als illegal enttarnt wurde, wird jetzt einfach als legal erklärt.“
Quelle: http://bit.ly/2a8Zomj

Am 08. Juli fand die erste Lesung der Reform des BND-Gesetzes statt, das von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde. Und die hat es in sich. Ein kleiner Einblick:

Bisher war es dem BND lediglich gestattet einzelne Leitungen abzuhören und davon nur 20 Prozent. Diese beiden Einschränkungen sollen wegfallen. Eine komplette Überwachung der komplexen Telekommunikationsnetzwerke wird somit rechtlich ermöglicht. „Hups, verpasst wegen Fußball (Teil 2)“ weiterlesen

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Hups, verpasst wegen Fußball (Teil 1)

Veröffentlicht via Politik&Gesellschaft


Aus der Reihe: Hups, verpasst wegen Fußball. (Teil 1: Anti-Terror-Gesetz)

Durchatmen. Das europäische Fußballfest ist vorbei. Das Heiligengeistfeld und Orte des Public-Viewings können wieder ihrem ursprünglichen Nutzen zugeführt werden. Autoliebhaber, die kleine Plastikfähnchen von ihren geliebten Mobilen entfernen und die erleichternde Erkenntnis einer sinkenden Bedrohung deutlich weniger Menschen mit schwarz-rot-goldenen Bäckchen nach Verlassen des Hauses zu begegnen, lässt einer andächtigen Ruhe Raum zur Entfaltung.

Was bleibt von dieser EM? So, für die Zukunft. Für möglicherweise immer, meine ich. Damit möchte ich mich in den folgenden Tagen auseinandersetzen. „Hups, verpasst wegen Fußball (Teil 1)“ weiterlesen

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Crooked Hillary

Veröffentlicht via Politik&Gesellschaft


Trump hat Recht: „Crooked Hillary“

Der Wahlkampf in den USA schreitet weiter voran. In den letzten Tagen scheint die Trump-Maschine durch Gegenbewegungen aus der republikanischen Partei, Umfrageverluste durch Äußerungen zur Tragödie in Orlando sowie Schwierigkeiten in der Wahlkampffinanzierung ins Stocken zu geraten. Weiterhin dominiert er jedoch die Medien und versteht es die demokratische Widersacherin Hillary Clinton zu attackieren. Was man ihm nicht vorwerfen kann, ist sein kühl kalkuliertes Gespür den Duktus der amerikanischen Massenmedien zu nutzen. So stellt er Clinton, wenn er dem Namen Hillary ausnahmslos jedesmal das Adjektiv „crooked“ (dt.: betrügerisch, unehrlich, link) voranstellt in ein Licht der Lügen und dubiosen Machenschaften. Und damit hat er Recht. „Crooked Hillary“ weiterlesen

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Brexit!

Veröffentlicht via Politik&Gesellschaft


Brexit! Der Sieg der Taschenspieler

„OUTsch“ titelte am Samstag das große Hamburger Boulevardblatt an den Kiosken der Stadt. Für Verfechter der Europäischen Idee trifft das „Autsch“ wohl zu, aber ob das „Out“ bereits in Stein gemeißelt ist, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Das Referendum ist eine Meinungsumfrage gewesen, die rechtlich nicht bindend ist. Die britische Regierung und das Parlament müssen offiziell Artikel 50 der unterzeichneten EU-Verträge aktivieren, um den Austrittsprozess in die Wege zu leiten. Stimmen nach einem zweiten Referendum, ein Brexit-Kater in Teilen der britischen Medien und kritische Stimmen zu einer diffusen Rechtslage der Umsetzung machen die Runde. Bleiben wir jedoch in der Gegenwart:

Nur auf den ersten Blick werden durch das Referendum der Reformbedarf und das administrative Defizit der Europäischen Union als Institution zu Recht deutlich. Jedoch zeichnete sich bereits kurz nach Auszählung der Stimmen ab, dass viele Leave-Voter eher den Taschenspielertricks der Leave-Kampagne anheimgefallen sind, als eine differenzierte Kritik an der EU zum Ausdruck gebracht zu haben. „Brexit!“ weiterlesen

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Tag der Resignation

Veröffentlicht via Politik&Gesellschaft

„Weltflüchtlingstag“ oder: Tag der Resignation

Passend zum Weltflüchtlingstag veröffentlichen die Vereinten Nation den UNHCR-Jahresreport. Und die Bezeichnung „Weltflüchtlingstag“ könnte in Anbetracht der 65 Millionen Flüchtlinge, Binnenvertriebener und Asylsuchender seit Ende 2015 zutreffender nicht sein. Laut dem Bericht überschreitet deren Anzahl erstmals die Grenze von 60 Millionen und erreicht damit den höchsten Wert seit der Durchführung statistischer Erhebungen.

Mit dem Bericht will die internationale Organisation alarmieren. So werden Statistiken geliefert, die die Dringlichkeit und Dramatik der globalen Notsituation mit Zahlen und Fakten untermauern. Das gelingt. Neben dieser deskriptiven Komponente geht der Bericht auch auf Gründe für die Zuspitzung der Lage ein. Zum einen dauern die Konflikte, die fluchtauslösenden Situationen länger an. Neben den Konflikten in Somalia und Afghanistan, die seit mehreren Jahrzenten schwelen, wird weiterführend die größere Anzahl neuer oder wiederaufgenommener Konflikte beschrieben. Als letzten, finalen Grund führt der Bericht an, dass „effektive und dauerhafte Lösungen immer länger auf sich warten“ lassen. Warten lassen? Fällt es nicht gerade in die Kompetenz der UN als Scharnier zwischen Staaten aktiv zur kooperativen Problembearbeitung zu dienen? „Tag der Resignation“ weiterlesen

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