Besuch bei HoGeSa

Einstieg – Reportage

An einem kalten, verregneten Tag im Spätherbst machte ich mich per Fernbus auf den Weg nach Hannover um an der bürgerlichen Demonstration gegen die Kundgebung der „Hooligans gegen Salafisten“ teilzunehmen. Am Bahnhof angekommen scheiterte eine erste Orientierung. Irritiert durch die vielen Polizeiabsperrungen und die eigentlich auch überflüssigen Wegweiser fand ich mich vor einem Polizisten wieder. Wir schauten uns in die Augen. Tiefer als mir lieb war. Du willst zur Demo? Ja. Na, dann müssen wir dich begleiten. In dem Moment realisierte ich, dass ich im Begriff war mit anderen düsteren Gestalten in Richtung der Kundgebung von Hogesa unterwegs zu sein. Kurz war ich irritiert und auch ein wenig beleidigt, wie man mich als potentiellen Teilnehmer identifizieren könne. Der fehlende Mut in der Gesellschaft der anderen Gestalten öffentlich einzugestehen, dass ich eigentlich zur hellen Seite der Macht gehöre, aber auch das Interesse, die Chance das Phänomen der neuen rechten Bewegung aus nächster Nähe quasi als V-Mann meiner Selbst erfahren zu können, hielten mich davon ab auf der Stelle zu flüchten. Wortlos wurden ich und vier andere junge Herren zwielichtiger Gestalt von einer Absperrung zur nächsten eskortiert. Auf dem Platz angekommen, Personenkontrolle. Abgetastet werden, ins Röhrchen pusten, Rucksack entleeren, die verachtenden Blicke der Polizisten als vermeintlicher Neonazi oder Hooligan kassierend, betrat ich den Kundgebungsplatz der Demonstration. Dunkle Klamotten, farbenfrohe Camouflage-Sprenkel und aufgrund des polizeilichen Alkoholverbots desillusionierte Augen, deren Blicken ich locker verkrampft auszuweichen versuchte, erwarteten mich bereits. Eine Kombination von feinstem norddeutschen Sprühregen und Wind von vorne spiegelten die zwischenmenschliche Tristesse dieser Veranstaltung wieder. Unauffällig, um jeden Preis unauffällig streifte ich zielstrebig planlos über den Kundgebungsplatz.

 

 

 

 

 

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